W I R M A C H E N U N S S O R G E N
Während Institutionen und Politik in Sommerpausen gehen, stehen viele Künstler:innen der freien Szene der darstellenden Künste wieder einmal vor der Ungewissheit, ob Ihre Kunst, Ihr Beruf, Ihre Arbeit nach diesem Sommer noch stattfinden wird.
Jahrelange Antragsarbeit, Selbstausbeutung und Arbeiten an den Kapazitätsgrenzen haben leider nicht zu der Stabilisierung und Absicherung geführt, die wir uns alle gewünscht haben. Stattdessen sind wir wieder einmal an dem Punkt an dem es heißt: Wir sollen den Gürtel enger schnallen. Nur wie soll man sparen, wo kaum Ressourcen sind? Wo soll man kürzer treten, wenn jede Produktion und jede Performance schon jetzt ein persönlicher Kraftakt sind? Wie soll man vorausschauend planen, wenn es keine Gewissheiten über Förderung gibt? Was heißt eigentlich Ressourcensharing und wie funktionieren Synergien, wenn jede/r einzelne weniger produziert und spielt um irgendwie über die Runden zu kommen?
Wir machen uns Sorgen.
Das Casamax Theater hat als erstes Theater nach Jahrzehnten der erfolgreichen Arbeit seine Schließung im Herbst angekündigt. Mehr und mehr Einzelkünstler:innen suchen sich Jobs außerhalb der Kultur oder gehen nach Jahrzehnten auf Kölner Freien Bühnen in die Altersarmut. Die Konzeptionsförderentscheidung wurde auf den Herbst verschoben aber die dringend benötigten Erhöhungen scheinen jetzt schon utopisch. Die Kulturförderabgabe, die ebenfalls seit Jahren Lücken in der Finanzierung manchen Theaters schließt, steht ebenfalls in Frage. Landes- und Bundesförderungen brechen weg, während die Zugangsvorraussetzungen selbst bei der kommunalen Förderung immer höher werden, wie zuletzt bei der mehrjährigen Projektförderung Theater, bei der gesicherte Drittmittel neuerdings Fördervorraussetzung sind.
Wir haben bereits oft formuliert, was fehlt, wenn die freie Szene nicht gesichert wird. Wir könnten wieder einmal über Räume der Begegnung schreiben, über Demokratie oder über kulturelle Bildung. Wir könnten aufzählen wie viele Menschen in wie vielen Projekten von freier darstellender Kunst profitieren. Für wie viele Menschen der Zugang zu Kunst und Kultur nur über die freie Szene funktioniert. Und was das am Ende für unsere Gesellschaft bedeutet. Aber wir sind müde.
Die Resilienz der freien Szene ist nahezu unfassbar. Selbst in diesen schwierigen Zeiten arbeiten wir jetzt gerade und durch den gesamten Sommer an neuen Formaten, Anträgen, Projekten und Premieren für diese unsere Stadt.
-Wir wollen und werden das Kooperationshaus im Depot ins Laufen bringen – gerade weil wir von der Ursprungsidee eines freien Produktionshauses mit dem Schwerpunkt Tanz wieder mal meilenweit entfernt sind.
-Wir veranstalten dieses Jahr eine Theaternacht – gerade weil der Sponsor RheinEnergie nach mehr als 20 Jahren die Förderung beendet hat.
-Wir geben unseren Glauben an Zusammenarbeit und Solidarität nicht auf – gerade weil es so scheint, als müsste jede/r für sich alleine kämpfen.
-Wir stärken als Verein für darstellende Künste Köln unsere Lobbyarbeit – gerade weil die Aufgabe von Interessensvertretungen und deren Förderung mal wieder in Frage gestellt werden.
Und wir weisen immer wieder auf Folgendes hin:
Es gibt keine bessere Investition als die Förderung der freien Kölner Szene.
Jeder Euro den die Stadt Köln investiert, sorgt für weitere Mittel aus Landes- und Bundesförderungen, aus Fonds und EU-Mitteln. Diese Gelder sorgen für ein bundesweit einzigartiges, vielfältiges und qualitativ hochwertiges Programm, das die Stadt für Investoren und ihre eigenen Bürger:innen attraktiv und lebenswert macht. Gleichzeitig hat jede noch so kleine Kürzung radikale Konsequenzen, zerstört mühevoll aufgebaute Strukturen und stürzt Künstler:innen in Existenzsorgen.
Genau das macht uns Sorgen.
Danke an alle Künstler:innen in dieser Stadt, dass ihr das tut, was ihr tut.
Danke CASAMAX Theater, für Euer Durchhalten und Eure bewundernswerte Arbeit. Wir werden Euch definitiv vermissen.
Danke an alle, die in den nächsten Wochen daran arbeiten, dass das Schlimme abgewendet wird.
Uns bleibt nur warnende Texte zu schreiben und der Dinge zu harren, die da kommen.
Der VdK Vorstand wünscht einen schönen Sommer.
